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can you read my mind?

Dienstag, 01.Mai

Ich bin froh, dass ich heute wenigstens ausgeschlafen habe. Der gestrige Tag war einfach zu viel für mich, was erklären würde warum mein Gesicht (geschwollen und verheult) aussah wie ein Punchingball.

Angi hat mir gestern erzählt, das sie überhaupt von gar nichts weiß. =.= Großartig…

Von dem Kerl der mich und Tobi gestern gerettet hat, weiß sie auch nichts.

 

Eins ist schon mal klar…der Beruf Privatdetektiv scheidet für mich schon mal aus.

 Während meine Mutter arbeiten war, hab ich auf meinem Bruder aufgepasst. Er konnte den ganzen Tag nicht ruhig sitzen, ist die ganze Zeit im Garten hin und her gelaufen. Ich hab ihm gesagt, er sollte sich besser schonen, aber so wie es aussieht geht es ihm besser als mir.
   

Er war heute so aufgekratzt, das ist mir richtig auf die Nerven gegangen. Aber das eigenartigste kommt ja noch. Als meine Mutter und mein Bruder von der Kontrolluntersuchung im Krankenhaus zurückkommen, erfahre ich dass sein Arm komplett verheilt ist.

Meine Mutter ist zwar überglücklich, aber ich weiß nicht was ich davon halten soll. Ich hab ja gesehen wie verdammt groß und vor allem tief die Wunde war. So was heilt doch nicht von heute auf morgen.

Mama hat mir erzählt, dass auch die Ärzte das gesagt hätten. Dann hat sie irgendetwas über Wunderheilung erzählt.

Doch langsam mach ich mir wirklich Sorgen um meinen Bruder. Nicht nur das er total unruhig ist, er redet die ganze Zeit auch so wirres Zeug. Dauernd sagt er, „Es stinkt.“, aber weder ich noch meine Mutter riechen etwas. Und ich habe ihn heute dabei beobachtet wie er ein Stück rohes Fleisch gegessen hat und er „knurrt“ ständig die Nachbarskatze an.

Okay…Jungs verändern sich wenn sie in die Pubertät kommen, aber doch hoffentlich nicht so.

Ich glaube er steht einfach noch unter Schock wegen dem Vorfall von gestern. Vielleicht ist das so eine Art psychische Reaktion, dass er sich so verhält wie der Hund der ihn angegriffen hat. So in der Art Opfer imitiert Täter…aber das er gleich einem Hund nachmachen muss?

Ich hab das auch Angi erzählt und sie meint auch, dass es der Schock sein wird. Auf jeden Fall hatte sie tolle Neuigkeiten für mich. Ihr Vater hat ihr erzählt, dass wenn man den Weg in den Wald hineinfahrt…wie hieß er noch mal…na ja dann kommt man nach einer Fahrt von einer Stunde zu einem großen Haus. Das soll dem Kerl gehören. Er lebt seit dem Tod seiner Frau und Kinder dort…ein echter Einsiedler.

Voll gruselig. Angeblich hat er seine Familie mit einer Axt zerstückelt und ihre Körper in das Fundament des Hauses einbetonieren lassen…also Angi hat das halt gesagt. Okay die Geschichte kauf ich ihr nicht ab, aber zumindest fahr ich dem Kerl jetzt nicht mehr besuchen. Nur um auf Nummer sicher zu gehen.

Ein Dankesbrief wird’s wohl auch tun. Aber was schreib ich da hinein:

Danke das sie meinen Bruder vor einem Monsterhund gerettet haben…hört sich irgendwie blöd an.

Langsam glaube ich die Spritze gestern war stärker als gut für mich ist.

Vielleicht halluziniere ich nur…dann ist einfach nur alles Einbildung. Oder vielleicht hab ich Fieber und träume mir im Fieberwahn was zusammen.

Morgen muss ich wieder in die Schule und ich hab Angst dem Hund wieder zu begegnen. Ich frag meine Mutter ob sie uns morgen ausnahmsweise abholt, aber das ist keine Dauerlösung.

Ob ich mir ein Gewehr zulegen sollte?

 Ich glaube nämlich Pfefferspray helfen bei dem Vieh nicht wirklich. Im Garten bricht gerade ein Tumult aus…ich glaube Tobi fetzt sich mit der Katze, wieder einmal.

Ich denke ich werde heute ne Schlaftablette einwerfen und hoffen das ein Wunder passiert und das alles nur ein böser Traum ist.

1.5.07 18:22


Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück

Mittwoch, 02. Mai

Um Punkt 12:05 Uhr – Zimmer des Direktors
Stimmung: FUCHSTEUFELSWILD
Grund: schon bald sehr totes Individuum besser bekannt als kleiner Bruder

Mein Bruder hat heute einen Klassenkameraden verprügelt. Nicht nur das, der Junge hat einen gebrochenen Arm und eine gebrochenen Nase und am ganzen Oberkörper blaue Flecke und Schrammen. Tobi war früher zwar verrückt, aber nie gewalttätig und schon gar nicht stark. Der Direktor erzählte mir von einem Streit und Tobi sagte dann, dass der Junge ihm sein Sandwich klauen wollte. Ich hab schon mitbekommen wie sich Kerle wegen Frauen und Alkohol geprügelt haben, aber zwei elfjährige wegen Futterneid?
Ich erzählte dem Direktor von der Hundeattacke und erläuterte ihm meine Täter-Opfer-Theorie. Dann wurde ich mit einem sehr merkwürdigen Blick bedacht. Ich glaube in dem Moment überlegte er eine psychiatrische Anstallt zu kontaktieren.
Der Direktor redete weiter. Es fielen Worte wie „krankhaft“, „Klage“ und „Psychopath“.

„Mein Bruder ist kein Psychopath!“

Die Situation hatte etwas Surreales…wie ein Traum. Auf Tobis Pullover war Blut, was wahrscheinlich der Grund dafür war warum ich der Geschichte glaubte. Es hörte sich nur so überhaupt nicht nach meinem Bruder an.
Als der Direktor mit ihm fertig war, sagte er mir noch er werde heute am Abend unsere Mutter informieren.
Draußen bin ich dann explodiert. „Spinnst du vollkommen? Wegen einem verdammten Sandwich verprügelt man doch niemanden.“
Tobi stieß einen kehligen Laut aus, fast wie ein Knurren. Es klang nicht böse nur irgendwie beleidigt.
„Er hat angefangen.“ Tobi schmollte und sah demonstrativ in eine andere Richtung.
„Verdammte scheiße … ein GEBROCHENER ARM! Tobi das ist kein Scherz.“
„Ich bin nicht taub.“, schreit er zurück.
Wir schreien uns an, bis Tobis Körper vor lauter Wut irgendwann richtig zu vibrieren beginnt. Ich hatte mein ganzes Leben nie Angst vor ihm, doch als er so da vor mir stand lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Sein ganzer Körper war zum zerreißen gespannt, er hatte die Zähne gebleckt und knurrte leise aber bedrohlich. Normalerweise hätte so etwas auf mich gerade zu lächerlich gewirkt. Doch instinktiv wusste ich, dass es todernst gemeint war. Tobi sah aus wie ein Raubtier vor dem Sprung.

 

 

 

16:27 Uhr – Polizeistation Woods Bay
Stimmung: nervös
Grund: Hundeleiche

Später hatte Harry, der Polizeichef von Woods Bay (überhaupt der einzige Polizist hier in der Gegend), mich angerufen. Man hatte den Hund erschossen, der meinen Bruder angefallen hatte. Ich bin dann gleich dort hin gegangen um „die Leiche zu identifizieren“. Langsam glaube ich der gute Harry hat zu viel C.S.I. gesehen.
Der Besuch dort war weniger berauschend. Das Tier hatte ein schwarzes Fell und war übel zugereicht. Überall hatte es Wunden.
Harry erzählte mir ein Waldarbeiter habe das Tier gefunden und als es ihn angreifen wollte, habe er es erschossen. Doch der Hund der da vor mir lag sah zwar ähnlich, aber nicht gleich aus.

„Das ist aber der Falsche.“ Harry sah mich überrascht an, oder besser gesagt sah er mich mit dem gleichen Blick an, mit dem mich auch der Direktor bedacht hatte.
„Wie der Falsche?“
„Also der Hund der Tobi gebissen hat war...nun ja…mehr.“ Ich machte eine ausladende Bewegung mit den Händen um meine Aussage zu untermalen.
„Wie mehr?“ Harry schien angesichts meiner Reaktion seine ohnehin kaum vorhandene Wortgewandtheit eingebüßt zu haben.
„Er war großer, dicker, Furcht einflößender. Auf jeden Fall hatte er doppelt so viel Masse wie das Teil da.“
Harry kratzte sich ratlos am Hinterkopf, „Sicher, dass es ein Hund war?“

Auftritt: Familienmordendes-Einsiedler-Subjekt; Name unbekannt

„Das ist er.“ Erschrocken drehte ich mich um. Letztes Mal war mir der Mann irgendwie kleiner vorgekommen, doch da er jetzt so nahe vor mir stand konnte sehen, dass er fast zwei Meter groß war. Er war ein regelrechter Muskelberg, sah aber schon älter aus. Er musste auf die Fünfzig zugehen. Im Vergleich zu ihm wirkte Harry mit seinem Haarausfall und Bierbauch wirklich hässlich, aber schließlich sah nicht jeder wie ein in die Jahre gekommenes Unterwäsche Model aus.
Erst jetzt fiel mir auf das sowohl ich und auch Harry ihn mit offenen Mund anstarrten.


„Nein, das ist er nicht.“, sagte ich bestimmt. Okay, ich war mir nicht hundertprozentig sicher, aber das Monstervieh hatte ich anders in Erinnerung.
„Doch.“, seine Stimme klang wie ein Donnergrollen und nun hörte Harry auch auf ihn wie ein Vollidiot anzustarren.
„Ähm sind sie sich sicher?“, fragte er noch einmal nach und bekam dafür einen richtigen Schockfrostblick von dem namenlosen Herren dafür.
„Natürlich bin ich mir sicher.“
„Das bin ich auch.“, fauchte ich. Derselbe einschüchternde Blick haftete nun auf mir.
„Jetzt haben wir aber ein Problem.“, meinte Harry und lachte um die Situation etwas zu entspannen. Stattdessen wurde es nur noch schlimmer. Die Atmosphäre könnte man am besten mit dem Wort arktisch bezeichnen. Ich sah Harry genervt an und widmete mich dann wieder dem „Charmebolzen“ vor mir.


„Jetzt hören Sie mir mal zu.“, ich tippte mit dem Zeigefinger auf seine Brust. „Das da…ist nicht das Vieh das meinen Bruder attackiert hat.“
„Du weißt nicht was du gesehen hast…du standest unter Schock.“, seine Stimme war so scharf wie ein Samuraimesser das sich netterweise genau zwischen meine Rippen bohrte. Was für ein unangenehmer Kerl.
„Ich kann mich noch bestens erinnern.“
„Nein kannst du nicht.“
„Kann ich wohl.“
Okay langsam kam ich mir vor als würde ich mich mit einem Kindergarten Kind streiten. Ich drehte mich zu Harry um und sagte dann, „Mir ist egal was er sagt. Ich will das du das Vieh erledigst das Tobi angefallen hat.“
Harry sah mich an.


„Das wird nicht nötig sein. Das da hinten ist der Hund.“
Harrys Blick lag nun auf dem Mann.
„Harry. Wem vertraust du mehr. Mir oder dem Kerl der seine Familie in Stücke gehackt und dann einbetoniert hat?“
Dann ging mir auf was ich gerade gesagt hatte.
 

Scheiße, scheiße, scheiße, scheiße, scheiße,…


Der Mann vor mir erstarrte zur Salzsäule. Ich konnte sehen wie er seine Hände zu Fäusten ballte. Die Knöchel waren weiß, vor Anspannung. Ich konnte es in seinen Augen sehen, er würde mir eine runterhauen wenn Harry nicht direkt neben mir stehen würde.


Mist, Mist, Mist, Mist, Mist.


So was konnte auch nur mir rausrutschten. Harry sah mich vorwurfsvoll an während ich auf meiner Lippe herumkaute und „Entschuldigung.“ murmelte.

Der Kerl überzeugte Harry das es nicht der Hund war und die Suche einzustellen sein. Ich sagte kein Wort mehr in der Hoffnung, dass er mich einfach vergessen würde.
Harry hielt mir später eine Rede über gutes Benehmen. Nun hielten mich der Direktor, Harry und Mr. Unbekannt für eine Psychopathin. So um den Daumen gepeilt würde ich es wohl schaffen auch den Rest von Woods Bay davon zu überzeugen, spätestens bis nächster Woche.
Zu Hause erwartete mich dann die Leiche unserer Nachbarskatze und ein Tobi der steif und fest behauptete, die Katze hätte in unserem Garten Selbstmord begangen.

„Ich wollte sie noch aufhalten. Du hast doch Familie, hab ich geschrieen.“

Vielleicht war ich noch keine Psychopathin, aber wenn es so weiter ging würde mein eigener Bruder mich so weit bringen mich einliefern zu lassen.
Wir ließen die Leiche in Mafia Manier verschwinden und versenkten sie im See. Keine Aktion auf die ich sonderlich stolz bin, aber wenn der Direktor anruft und meine Mutter informiert, will ich nicht auch noch mit der toten Nachbarskatze vor ihre Nase herumwedeln.

Ich werde Angi anrufen und ihr von der Sache bei Harry erzählen. Vielleicht hat sie ja eine Idee warum der Kerl unbedingt wollte, dass man die Suche nach dem Streuner einstellt.
Es kann sein das ich mich früher beklagt habe, dass mein Leben fad ist, aber diese Aufregung ist eindeutig zu viel. Im Moment kommt es mir so vor als würde ich Tierleichen magisch anziehen. Ein wandelnder Friedhof der Kuscheltiere.     
Ob wir noch Beruhigungstabletten zu Hause haben?

...


...

PS: Ich hab wirklich, wirklich Angst um/vor meinem Bruder. Was soll ich jetzt machen?   

2.5.07 17:15


You and I collide

Donnerstag, 03.Mai

Das Telefonat mit Angi hat mich jetzt der Wahrheit einen Schritt näher gebracht. Sie hat auch gemeint, dass es voll seltsam ist, dass der Kerl die Suche verhindern wollte. Außer der Hund um den es sich handelt, ist seiner. Das wäre zumindest eine logische Erklärung für sein Verhalten.

Am Abend hab ich mir Angis Wagen geliehen. (Okay ich habe keinen Führerschein, aber Harry isst zu dieser Zeit immer zu Abend und sieht sich Baseball im Fernsehen an)

 Sie hat gemeint, wenn ich mich in zwei Stunden nicht bei ihr melde ruft sie die Polizei. Obwohl ich mir nicht richtig vorstellen kann, wie ein Moppelchen Mr. Universum persönlich verhaftet. Trotzdem wollte ich die Sache endlich klären. Wenn er dafür verantwortlich war das Tobi Amok lief, würde er dafür bezahlen. Es ist eine Sache wenn ich meinen Bruder ärgere, aber eine ganz andere wenn so ein geistesgestörter Eremit mit Hang zur Zerstücklung seinen Killerhund auf meine Familie los lässt. Okay…ich gebe es zu…kann sein EVENTUELL… das ich mich da in was hineinsteigere. Doch zu dem Zeitpunkt hatte Logik so wie so keinen Zugang mehr zu meinem Kopf.

 Es dauerte fast eine Stunde bis ich das Haus am Ende des Waldweges endlich erreichte.

 

Das Haus sah anders aus als erwartet. Es war modern, hell und offen. Irgendwie hatte ich ein Spukschloss erwartet, aber das sah aus als wäre es einer Architekturzeitschrift entsprungen.

Dieses Gebäude passte ganz und gar nicht zu dem Miesepeter den ich gestern kennen gelernt hatte.

Als ich den Wagen parkte und über den Kiesweg auf die Haustüre zuging, kamen mir Zweifel. Vor meinem inneren Auge sah ich eine abgehackte Kinderhand, die auf seinem Wohnzimmerteppich lag…daneben ich mit aufgeschlitzter Kehle und der Hund der mich langsam auffraß.

Ich blieb stehen und wäre weg gelaufen, wenn der Kerl nicht die Türe aufgemacht hätte.

 Also wenn Blicke töten könnten, würde er locker als Massenvernichtungswaffe durchgehen. Kam das nur mir so vor oder sankt die Temperatur in dem Moment wirklich unter den Nullpunkt.

Er war alles andere als erfreut mich zu sehen. Zuerst wollte er mich nicht einmal hineinlassen.

Welcher normale Mensch ist so blöd, fährt zu einem potenziellen Massenmörder um ihn und seinen Hund zu beschuldigen? Ist doch ziemlich lebensmüde und krank, nicht? So nun stand ich da also, vor mir ein Berg aus Muskeln und Sehen, bereit mich bei dem kleinsten Fehltritt in der Luft zu zerreißen.

Welcher normale Mensch würde da keine Angst haben? Langsam hatte ich das Gefühl ich bin von normal schon sehr weit entfernt. „Ich muss mit ihnen reden. Es ist wichtig.“, ich versuchte mich so selbst sicher wie möglich anzuhören. „Du gehst jetzt besser.“ Er war stocksauer, wieder einmal. Hatte der Kerl vielleicht seine Tage oder so?

„Sind Sie zu allen Leuten so unfreundlich oder habe nur ich die Ehre?“, fauchte ich.

Er lächelte mich grimmig an, „Nein, ich bin zu jedem so.“ Entschlossen ihn zu rede zu stellen, stemmte ich meine Hände in die Hüfte und schlug den strengsten Ton an den ich drauf hatte.

 „Soll ich ihnen sagen was ich denke? Sie sind daran Schuld das mein Bruder Amok läuft.“ „Wie bitte?“, jedes Wort betonte er stark, als spräche er mit einem Kleinkind, das ihn nicht verstehen würde, spräche er zu schnell. „Der Killerhund gehört doch ihnen hab ich Recht?“ „Nein hast du nicht. Es ist besser du gehst jetzt…wirklich.“

 „Wieso sollte jemand der seit über 10 Jahren nicht im Dorf war gerade zu dem Zeitpunkt mit einem Gewehr dort auftauchen? Ist ein bisschen zu viel Zufall für meinen Geschmack. Wieso wollten Sie unbedingt die Suche abblasen, wenn sie doch mit ihnen nichts zu tun hat? Soll ich ihnen sagen was ich darüber denke…“

Die Antwort war klar und unmissverständlich. Seine Faust sauste mit einem lauten Knall auf seine Haustüre. Ich zuckte überrascht zusammen. Ich hatte es eindeutig zu weit getrieben. Der Kerl, und verdammt ich hatte immer noch nicht nach seinem Namen gefragt, war auf 180.

Er packte mich am Arm und begann mich in Richtung des Autos zu zerren. Ich schlug mit meiner anderen Hand auf seinen Oberarm ein, tat mir dabei aber anscheinend selber mehr weh als ihm.

 „Lassen Sie mich sofort los.“

 „Du…“, seine Stimme vibrierte vor Wut, „…hast überhaupt keine Ahnung was hier vor sich geht.“

„Dann erklären sie es mir.“ Er riss die Wagentüre auf.

„Du solltest dankbar sein, das ich dir das Leben gerettet habe.“

„Danke.“, zischte ich und wurde dann unsanft in das Wageninnere geschmissen.

„Wenn du nicht sofort nach Hause fährst rufe ich Harry…ist das klar. Lass dich hier…nie wieder blicken!“

Er knallte die Türe zu und ich fuhr nach Hause genau wie er es mir gesagt hatte. Dann brachte ich den Wagen zu Angi, der ich gleich Haarklein erzählte was passiert war. Sie meinte auch, dass der Kerl Dreck am Stecken hat, aber dass hier ohne Beweise gar nichts läuft.

Zu Hause erwartete mich das übliche Tobi-Amok-Chaos. Ich werde bald mal mit Mama sprechen müssen ob wir ihn nicht zu einem Psychiater schicken. Sein Verhalten wird einfach nicht besser.

Bei jedem Geräusch zuckt er zusammen. Er beginnt Tiere anzuknurren, wie ein Hund und jagt sogar den Spatzen in unseren Büschen hinterher.

Der Kerl war schuldig. Das war die einzige Überzeugung an der ich im Moment festhielt. Morgen würde ich zu Harry fahren und ihm sagen was ich dachte. Es war egal auch wenn mich bald alle für bescheuert hielten, ich konnte doch nicht einfach zusehen wie meine Familie wegen einem Hund den Bach hinunter ging.

Hoffentlich klärt sich morgen alles, damit ich mich am Wochenende erholen kann.

Wenn das morgen nicht klappt, weiß ich auch nicht mehr was ich machen soll.

 

3.5.07 21:15


Or am I losing my mind?

Freitag, 4. Mai

Heute starrte mir im Spiegel eine fürchterlich unausgeschlafene Person entgegen. Sie hatte tiefe und dunkle Augenringe. Ihre Haut, die ohnehin schon ziemlich blass war, sah heute richtig käsig und ungesund aus. Die braunen Augen waren heute rot umrahmt und alles in allem sah sie aus als würde sie jeden Moment todmüde umfallen.

Blöderweise war das ja ich.

Ich hatte die ganze letzte Nacht damit zugebracht mir Gedanken darüber zu machen, was hier eigentlich vor sich ging. Ein freilaufender Killerköter; mein verrückt gewordener Bruder; die Wunderheilung; eine Hundeleiche; der massenmörderische Einsiedler; die Katzenleiche und der Wahnsinn der anscheinend von mir Besitz ergreift. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das mein Leben sich senkrecht dem Tiefpunkt nähert.

Ich glaube ich bin in während der Schule mal kurz eingeschlafen. Naja zumindest kann ich mich nicht mehr an die Englischstunde erinnern die eindeutig auf meinem Stundenplan steht. Wie auch immer.

Ich stattete heute Harry einen Besuch ab, doch das ging irgendwie gründlich in die Hose. Fast eine Stunde hielt er mir eine Rede darüber, was mir einfiel ohne Führerschein zu fahren und vor allem wie freundlich es von ihm sei die ganze Sache einfach zu vergessen.

„Ich kenne dich schon seit du in die Windeln geschissen hast. Nie hätte ich mir auch nur träumen lassen das du so ausflippst. Du warst doch immer ein so nettes Mädchen. Was zum Teufel ist mit dir passiert? Ja ja du bist aufgebracht wegen der Sache mit deinem Bruder…geht es ihm eigentlich schon wieder besser…aber das ist doch kein Grund den armen Mister Hayes so zu tyrannisieren. Er hat in seinem Leben genug durchmachen müssen, also lass ihn gefälligst in Ruhe. Und sollte ich noch einmal Wind davon bekommen, das du ohne Führerschein in Angis Auto durch die Gegen kurvst, bekommst du einen Exklusiv Aufenthalt in einer Zelle (die einzige Zelle auf der ohnehin winzigen Polizeistation), verstanden?“

Nach diesem sehr aufbauenden Monolog Harrys habe ich beschlossen meine Strategie zu ändern. Mir war klar wer mich da verpetzt hatte. Spätestens zu Halloween würde meine Rache in Form von faulen Eiern an der Hauswand folgen. Dann wird sein ach so tolles Haus nicht mehr so aussehen als stamme es aus einem Architekturmagazin.

Den restlichen Tag verbrachte ich vor dem Computer. Kenne deine Feinde besser als die selbst und da ich jetzt seinen Namen (Mr. Hayes) kannte, war ich dem Ziel schon einen Schritt weiter.
Leider gab es über ihn nicht viel heraus zu finden. Im Internet entdeckte ich die Todesanzeigen seiner Familie. Alle drei, seine Frau und seine zwei Töchter, starben am selben Tag. Leider stand da nichts über die Todesursache.

Dann versuchte ich mich über das Verhalten von Opfern nach einem Angriff zu informieren. Da stand zwar was über Schock, aber ansonsten nichts was mit Tobis Verhalten konform ging.

Tobi und meine Mutter sind heute am Abend wieder ins Krankenhaus gefahren. Er hat 40°C Fieber bekommen. Tobi hüpft trotzdem immer noch munter in der Gegend herum. Sie sind immer noch im Krankenhaus und langsam mach ich mir Sorgen. Nicht nur um Tobi sondern auch um den armen Arzt den Mama mit ihrer Wunderheilungstheorie bequatschen wird.
Ich ruf sie nachher noch an und frage sie wann sie nach Hause kommt. Zumindest kann ich ja morgen ausschlafen.

Doch bei meiner Recherche bin ich auf etwas Eigenartiges gestoßen. Alles Symptome die Tobi hat treffen auf eine, nennen wir es einmal Erkrankung, zu.
Als mir der Gedanke vor genau 43 Minuten das erste Mal gekommen ist, habe ich den Computer abgeschaltet, eine Beruhigungstablette genommen und die Musik so laut wie möglich aufgedreht. Ich hab versucht an nichts zu denken. Es hat gewirkt ich habe mich beruhig und betrachte die Dinge jetzt objektiv.
Tatsache Nr.1: Ich verliere den Verstand.
Tatsache Nr.2: Mein Verstand ist zum größten Teil schon verloren.
Tatsache Nr.3: Die normale Körpertemperatur von Wölfen beträgt 42°C, was erklären würde das Tobi das nichts ausmacht…wenn meine total wahnsinnige, geisteskranke und völlig hirnrissige Theorie zu seiner Erkrankung stimmt.

Bitte vergesst nicht die ersten zwei Tatsachen (Ich bin VERRÜCKT!!!).
Heute werde ich Angi nicht anrufen um nicht Gefahr zu laufen, das ich etwas von meiner Theorie erzähle…unbeabsichtigt. Sonst befinde ich mich morgen wahrscheinlich in einer weißen Gummizelle.

Für heute höre ich auf in Mr.Hayes Vergangenheit herumzuschnüffeln, aber ich bin mir sicher dass er etwas weiß. Ich hab zwar noch nie versucht taktisch Krieg zu führen, aber das wird mich nicht davon abhalten etwas Psychoterror zu betreiben.

Ich werde auf keinen Fall zu lassen, das ich als die jenige abgestempelt werde die alleine den Verstand verliert. Langsam komm ich mir schon vor wie diese Typen die vom Weltuntergang erzählen und keiner glaubt ihnen.
Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein. Vielleicht hat der Hund ja mich angegriffen und ich liege im Koma oder künstlichen Tiefschlaf und träume mir das nur zusammen. Oder noch besser…ein Fehler in der Matrix. =.=

Ja schon klar ich hör besser auf mir darüber Gedanken zu machen. In bin ohnehin schon todmüde. Ich glaube ich bete mal ein bisschen das morgen ein guter Tag wird. Ich glaube zwar nicht an Gott, aber eine Absicherung kann ja wohl nicht schaden.
4.5.07 22:25


the day you slipped away

Samstag, 05. Mai

Es war schon Mittag als ich endlich aufgewacht bin. Zum ersten Mal seit Anfang dieser Woche fühle ich mich entspannt und vor allem ausgeruht.

Wieso? Nun das liegt daran, das die einzige Lösung, die mir eingefallen ist, für das was in den letzten Tagen passierte…unmöglich ist. Es ist folglich nur ein Schluss daraus zu ziehen: meine Theorie stimmt nicht!

Solche Dinge wie „es“ (ich spreche oder schreibe den Bergriff nie weil er mir irgendwie Angst macht…besonders jetzt) gibt es nun einmal nicht, also sollte ich aufhören mir Sorgen darum zu machen. Wenn ich mich dieses Wochenende entspanne, kann ich die Dinge sicher klarer sehen. Außerdem stand ich ja schließlich am Montag schwer unter Schock. Was passiert ist liegt sicherlich nur an den Auswirkungen davon.

…Okay ich geb´s zu ganz bin ich davon nicht überzeugt, aber was soll ich tun? Mich zu beruhigen und versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen scheint mir die einzige Möglichkeit. Als ich nach unten ging war Mama schon weg. Sie besucht heute eine ihrer Freundinnen, die ebenso wie sie an so Esoterik-Zeug glaubt. Sie hat gemeint sie müsste mit einem Profi über die Wunderheilung von Tobi reden. Ich hab ihr gesagt sie soll das lieber nicht an die große Glocke hängen, aber was zählt meine Meinung schon? Ich bin ja schließlich geistesgestört.

 Tobi saß am Wohnzimmerfenster und am Anfang hatte ich ihn gar nicht gesehen. Er starrte nach draußen und saß so ruhig da, das er auf mich wie eine Statue wirkte. Irgendwie sah es so aus als würde er nicht einmal atmen.

 

Ich machte mir mein typisches Weekend-Sandwich (Butter, Putenschinken, Salat und Tomaten ohne Ränder) Dann suchte ich nach dem Himbeersaft-Sirup fand aber keinen. Es war ein ganz normaler Tag, auch wenn sich meine Gedanken um das Warum und Wieso der letzten Woche drehten.

Als ich aus der Küche kam, kauerte Tobi zitternd am Boden.

Nein, Nein, NEIN…tu mir das bitte nicht an.

Entsetzt riss ich meine Augen weit auf, das Sandwich fiel mir aus der Hand und ich rannte zu ihm. Hektisch streichelte ich ihm über den Rücken. „Was ist? Was hast du?“, fragte ich panisch. Ich bekam keine Antwort, stattdessen begann er am ganzen Körper unkontrollierbar und noch viel schlimmer zu zittern. Er gab einen eigenartigen schmerzerfüllten Laut von sich. Seine Hände klammerten sich um seine Oberarme und ich konnte sie nicht lösen.

Es war fast so als würde ich wirklich versuchen Stein zu verbiegen.

Er stieß einen lauten, verzweifelten Schrei aus.

„Bitte…bitte…was ist denn? …Rede mit mir.“

Ich versuchte ruhig zu atmen, nachzudenken was ich jetzt tun sollte, doch es war als wäre in meinem Kopf nur Dunkelheit. Jeder klare Gedanke den ich versuchte zu fassen, glitt mir durch die Hände und während ich nicht einmal denken konnte litt mein Bruder Höllenqualen. Das machte mich wahnsinnig…wahnsinnig vor Angst.

Bitte…bitte…irgendjemand…Hilfe…

Zuerst wusste ich gar nicht was mit mir geschah. Etwas Hartes traf mich genau in den Magen und ich wurde über das halbe Wohnzimmer hinweg geschleudert. Ich landete auf der Couch die mit mir einen Meter weiter schlitterte bis sich schließlich nach hintern umkippte. Mein Blick war verschleiert. Außer verschwommener Dunkelheit konnte ich gar nichts sehen. In meinen Kopf drehte sich alles…ich spürte wie mein Mund sich ganz von alleine aufriss und ich mich übergab.

Meine Sicht kehrte langsam wieder zurück, aber ich fühlte mich schrecklich. Mit zitternden Knien stand ich auf, denn die Couch versperrte mir die Sicht auf meinen Bruder.

Mit einer Hand stütze ich mich auf das umgestürzte Möbelstück. Mein Blick blieb an der Gestalt hängen, die dort stand wo Tobi noch vor kurzem auf dem Boden gekauert hatte.

Da stand statt Tobi nun ein gigantischer Hund/Wolf/was auch immer in meinem Wohnzimmer. Er hatte rostbraunes Fell und starrte mich mit blauen Augen an, um genauer zu sein mit Tobis blauen Augen.

Ich stand wieder einmal einfach nur da, zu überrascht um etwas zu tun. Unsere Blicke trafen sich. War das Ding da wirklich Tobi? Wenn auch nur die kleinste Chance bestand das da drinnen irgendwo noch mein Tobi zu finden war, dann musste ich etwas unternehmen. JETZT!

Mein Fuß bewegte sich wie von alleine einen Schritt vorwärts, was nicht so leicht war, da ich am ganzen Körper schlotterte.

Meine Zähne schlugen fest und schnell aufeinander. Das Klappern schien das Tier, nein Tobi, nicht zu erschrecken.

Oh Gott… ich hab nie an dich geglaubt, aber bitte…bitte gib mir meinen Tobi wieder.

Ich streckte meine zitternde Hand nach ihm aus. „T…Tobi?“, meine Stimme war krächzend, so als hätte ich stundenlang geweint. Als meine Hand nur noch ein paar Zentimeter von ihm entfernt war, veränderte sich etwas. Statt Tobis blauen Augen sahen mich nun ein goldgelbes Paar an. Er begann zu knurren und fletschte die Zähne. Ich zuckte zusammen. Er lief davon, so schnell das ich nicht einmal sagen konnte in welche Richtung er in den Wald gelaufen war.

Ich musste nachdenken…mich beruhigen. Hatte es in den letzten Tagen irgendeinen Anhaltspunkt gegeben, der mir jetzt weiter helfen könnte?

Mr. Hayes Stimme begann wie von Zauberhand in meinem Kopf zu sprechen. >>Du hast doch keine Ahnung was hier vor sich geht.<< Das hatte er gesagt…er hatte es gewusst…der Hund war ein…“es“ gewesen.

Ich zog mir schnell ein Paar Gummistiefel an die neben der Türe standen und rannte dann im Pyjama los.

Ich musste Hilfe holen und zwar schnell. Doch zu wem sollte ich gehen außer zu diesem verdammten Einsiedler? Die würden mich doch alle für verrückt erklären. Es würde zu lange dauern alles zu erklären, bis sie mir glauben…wenn sie mir überhaupt glauben würden.

Ich rannte durch den Wald bis ich schließlich die Waldstraße erreichte. Es würde Stunden vielleicht sogar den ganzen Tag dauern bis ich dort war…ich musste mich beeilen.

Ich lief so schnell ich konnte. Mein ganzer Körper zitterte immer noch und ich hatte angefangen zu weinen, was nicht gerade hilfreich war. Doch leider konnte ich weder das Weinen noch das Zittern abstellen. Ich konnte nicht klar genug sehen, weil die Tränen alles um mich herum verschwimmen ließen. Als wäre das nicht noch schlimm genug fing es an zu regnen. Die kalten Tropfen prasselten erbarmungslos auf mich herunter und durchnässten mich von Kopf bis Fuß.

In meinem Kopf spielten sich die Bilder von Tobis Anfall im Wohnzimmer immer wieder ab. Ich erinnerte mich an viele Dinge. An seine Geburtstage; an unsere Besuche bei Großvater und an seine Geburt. Unser Vater hatte uns verlassen, als Mama das zweite Mal schwanger wurde. Als ich Tobi das erste mal in meinen Händen hielt und ihn vorsichtig an mich drücke versprach ich ihm, und nur so das er es hören konnte, „Ich werde dich immer…immer beschützen, hörst du? Ich werde dich niemals alleine lassen…so wie Papa. Du brauchst also keine Angst haben.“

Es war lächerlich, das ich immer noch daran festhielt. Ja ich hatte schon vor den Ereignissen an meiner geistigen Zurechnungsfähigkeit gezweifelt.

Doch diese Worte, das Versprechen an ihn, war so tief in mir verwurzelt. Ich würde ihn nicht im Stich lassen…egal was oder wer er war. Tobi bliebt Tobi…mein Tobi…mit oder ohne Fell.

Mir kam es wie eine Ewigkeit vor das ich keuchend um im Laufschritt mich viel zu langsam seinem Haus näherte. Ab und zu stütze ich weil ich entweder einen Stein übersah oder mein Gummistiefel im Matsch stecken blieb.

Nach zwei Stunden sah ich auf einmal ein Licht am Ende der Straße. Zuerst dachte ich es sei das Haus, doch als ich genauer hinsah merkte ich dass es zwei Scheinwerfer waren, die rasend schnell auf mich zukamen. Ich stand einfach nur da und sah mit an wie der Fahrer gerade noch rechtzeitig merkte was los war und einen Meter vor mir schlitternd zum Stillstand kam.

Ein wütender Muskelberg stieg aus und kam auf mich zugestampft.

„Hast du den Verstand verloren?“, schrie er und es kam mir so vor als würde der Wald unter seiner Wut zu vibrieren beginnen. Doch er machte mir keine Angst. Die Angst um Tobi ließ alles wovor ich mich, oder jeder andere normale Mensch, fürchtete wie eine Nichtigkeit erscheinen. Ich rannte auf Mr. Hayes zu und begann mit meinen Fäusten gegen seinen Bauch zu hämmern, um seine Brust zu erreichen war ich schlichtweg zu klein.

Es war mir egal das der Rotz mir aus der Nase rannt, das meine Augen rot vor Tränen waren, das meine Schläge nicht einmal fest waren, das er mich wahrscheinlich unter dem Schluchzen nicht einmal verstand. Alles war in dem Moment egal als ich der Frustration, der Angst und der Ratlosigkeit, die sich während der letzten Tage in mir angestaut hatten, Luft machte.

„Wieso? Sie haben es gewusst…die ganze Zeit. Wieso haben Sie das zugelassen? So was hat er nicht verdient. Er ist so lieb…ich hab ihn so lieb. Wie konnten Sie das nur passieren lassen. Es ist alles ihre Schuld. Er ist weg…keine Ahnung wohin…er ist einfach weg. Was mach ich denn nur wenn er verletzt ist? Vielleicht kommt er nie wieder zurück…er ist…ich bin…ganz allein. Er ist jetzt da draußen und hat sicher Angst…er weiß nicht wohin…vielleicht wird er von einem Jäger erschossen. Alles…alles ihre Schuld. Hören Sie, Sie sind Schuld! Er ist weg und ich kann ihn nicht zurück bringen, obwohl ich es ihm versprochen habe. Wieso haben Sie zugelassen, dass ich mein Versprechen breche.“

Meine Schläge wurden immer schwächer bis sich mein Finger im Stoff seines Hemdes verkrallten. Keine Wut war mehr zu hören als er mit mir sprach. Seine Stimme war ganz weich und beruhigend.

„Was ist passiert?“

Es war einer dieser Moment im Leben, ein Wendepunkt. Ich stand vor einer Linie die ich im begriff war zu überschreiten. Sobald ich meinen Fuß darüber setzten würde, gäbe es kein Zurück mehr für mich. Ich würde mit den Konsequenzen leben müssen, Tag für Tag. Mein Leben würde nicht mehr dasselbe sein.

Wenn man diese Linie überschreitet, ist es so als würde sich die ganze Welt ein Stück zur Seite drehen. Man sieht Dinge nicht mehr die einem vorher klar und deutlich ersichtlich waren. Dafür kann man eine ganz neue Welt entdecken, eine Welt die die gleich ist, aber doch so ganz anders.

Überschreitet man diese Linie gibt es kein Zurück, doch ich hatte meine Entscheidung schon vor langer Zeit getroffen. Es war eine Entscheidung die nicht nur mich betraf sondern auch die Person dich ich über alles liebte und unter allen Umständen beschützen musste. Ich wusste dass ich nichts tun konnte, nichts weiter als diese Linie zu überschreiten. Wenn Tobi das helfen würde, waren mir die Konsequenzen egal. In diesem Moment erschienen sie mir wie eine Lappalie.

„Werwolf.“

, das war das einzige Wort das ich sagte. Die ganze Zeit hatte ich es nicht wahrhaben wollen. In dem ich das Wort nun endlich aussprach, fiel mir eine gewaltige Last von den Schultern. Ich konnte die Dinge nun mal nicht ändern, in dem ich sie ignoriert und nicht aussprach.

Mr. Hayes veränderte sich auch. Zuerst erstarrte er komplett.

„Was hast du gesagt?“

Ich ließ von ihm ab und trat einen Schritt zurück.

„Bitte Sie müssen mir helfen. Ich hab nicht gewusst zu wem ich sonst gehen soll. Tobi ist…er ist…er hat sich verwandelt…in unserem Wohnzimmer. Jetzt ist er weg. Keine Ahnung wohin. Bitte helfen Sie Tobi.“

In ihm schien ein innerer Kampf zu toben. Nach ein paar Sekunden schien er sich entschieden zu haben.

„Los steig ein.“, er zeigte mit seinem Daumen auf seinen Wagen. Er wendete und wir fuhren zurück zu seinem Haus. Dauernd fuhr er sich hektisch mit der Zunge über die Lippen. „So hör mir jetzt genau zu. Es gibt Regeln. Eine Regel besagt, das Menschen die von Werwölfen wissen, umgebracht werden.“ Ich zuckte zusammen.

„Keine Angst. Außer mir weiß es keiner. Solange du bei mir bleibst bist du auch sicher. Meine Familie wurde wegen dieser Regel hingerichtet. Damals hab ich nichts unternommen. Denselben Fehler mache ich nicht noch einmal. Bevor wir Tobi helfen können ist es wichtig, dass wir alle Spuren verwischen. Je mehr Menschen davon wissen desto schlechter.“

„Ich bin die Einzige.“, meine Stimme war ein brüchiges Desaster, „Aber unser Wohnzimmer sieht schlimm aus. Er hat mich durch die Luft geschleudert.“

Er nickte und hörte mir weiter zu.

„Meine Mutter besucht im Moment eine Freundin. Sie kommt erst morgen wieder. Sie wollte Tobis Wunderheilung unbedingt mit jemanden besprechen der sich dafür interessiert. Doch Melissa…ich meine ihre Freundin…wohnt weit weg, weshalb sie dort übernachten wird.“

„Also haben wir bis morgen Zeit das Chaos zu beseitigen.“ Als wir beim Haus ankamen, schleifte er mich schnell und äußerst unsanft ins Wohnzimmer. In das fantastisch eingerichtete, große und teure Wohnzimmer.

„Ich werde mich um alles kümmern. Um das Wohnzimmer, um Tobi, aber du darfst dich nicht von der Stelle rühren. Wenn jemand anruft oder an der Türe klingelt darfst du nicht ran gehen. Und geh auf keinen Fall nach draußen. Ich weiß das du dir sorgen um deinen Bruder machst, aber im Moment ist er eine Bestie die nur ihren Instinkten folgt.“

„Woher wissen Sie das alles.“

„Wenn man sich das erste Mal verwandelt ist das immer so.“

„Sie sind auch…?“

Er nickte und ging dann mit den Worten, „Fühl dich wie zu Hause.“

Inzwischen ist es fast Mitternacht…ich habe keine Nachricht erhalten. Ich weiß nicht was mit Tobi oder Mr. Hayes los ist. Ich habe Angst, dass Mama früher nach Hause kommt, das Tobi etwas zustößt.

Ich habe einfach nur Angst. Dieser Samstag ist der schlimmste Tag meines Lebens.

Ganz ehrlich…schlimmer kann es nun wirklich nicht mehr werden.

Aber ich hätte es wissen müssen.

Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

PS: Tobi ich vermisse dich…so sehr.   T.T
5.5.07 21:21


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