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Guten Tag, guten Tag, ich will mein Leben zurück

Mittwoch, 02. Mai

Um Punkt 12:05 Uhr – Zimmer des Direktors
Stimmung: FUCHSTEUFELSWILD
Grund: schon bald sehr totes Individuum besser bekannt als kleiner Bruder

Mein Bruder hat heute einen Klassenkameraden verprügelt. Nicht nur das, der Junge hat einen gebrochenen Arm und eine gebrochenen Nase und am ganzen Oberkörper blaue Flecke und Schrammen. Tobi war früher zwar verrückt, aber nie gewalttätig und schon gar nicht stark. Der Direktor erzählte mir von einem Streit und Tobi sagte dann, dass der Junge ihm sein Sandwich klauen wollte. Ich hab schon mitbekommen wie sich Kerle wegen Frauen und Alkohol geprügelt haben, aber zwei elfjährige wegen Futterneid?
Ich erzählte dem Direktor von der Hundeattacke und erläuterte ihm meine Täter-Opfer-Theorie. Dann wurde ich mit einem sehr merkwürdigen Blick bedacht. Ich glaube in dem Moment überlegte er eine psychiatrische Anstallt zu kontaktieren.
Der Direktor redete weiter. Es fielen Worte wie „krankhaft“, „Klage“ und „Psychopath“.

„Mein Bruder ist kein Psychopath!“

Die Situation hatte etwas Surreales…wie ein Traum. Auf Tobis Pullover war Blut, was wahrscheinlich der Grund dafür war warum ich der Geschichte glaubte. Es hörte sich nur so überhaupt nicht nach meinem Bruder an.
Als der Direktor mit ihm fertig war, sagte er mir noch er werde heute am Abend unsere Mutter informieren.
Draußen bin ich dann explodiert. „Spinnst du vollkommen? Wegen einem verdammten Sandwich verprügelt man doch niemanden.“
Tobi stieß einen kehligen Laut aus, fast wie ein Knurren. Es klang nicht böse nur irgendwie beleidigt.
„Er hat angefangen.“ Tobi schmollte und sah demonstrativ in eine andere Richtung.
„Verdammte scheiße … ein GEBROCHENER ARM! Tobi das ist kein Scherz.“
„Ich bin nicht taub.“, schreit er zurück.
Wir schreien uns an, bis Tobis Körper vor lauter Wut irgendwann richtig zu vibrieren beginnt. Ich hatte mein ganzes Leben nie Angst vor ihm, doch als er so da vor mir stand lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Sein ganzer Körper war zum zerreißen gespannt, er hatte die Zähne gebleckt und knurrte leise aber bedrohlich. Normalerweise hätte so etwas auf mich gerade zu lächerlich gewirkt. Doch instinktiv wusste ich, dass es todernst gemeint war. Tobi sah aus wie ein Raubtier vor dem Sprung.

 

 

 

16:27 Uhr – Polizeistation Woods Bay
Stimmung: nervös
Grund: Hundeleiche

Später hatte Harry, der Polizeichef von Woods Bay (überhaupt der einzige Polizist hier in der Gegend), mich angerufen. Man hatte den Hund erschossen, der meinen Bruder angefallen hatte. Ich bin dann gleich dort hin gegangen um „die Leiche zu identifizieren“. Langsam glaube ich der gute Harry hat zu viel C.S.I. gesehen.
Der Besuch dort war weniger berauschend. Das Tier hatte ein schwarzes Fell und war übel zugereicht. Überall hatte es Wunden.
Harry erzählte mir ein Waldarbeiter habe das Tier gefunden und als es ihn angreifen wollte, habe er es erschossen. Doch der Hund der da vor mir lag sah zwar ähnlich, aber nicht gleich aus.

„Das ist aber der Falsche.“ Harry sah mich überrascht an, oder besser gesagt sah er mich mit dem gleichen Blick an, mit dem mich auch der Direktor bedacht hatte.
„Wie der Falsche?“
„Also der Hund der Tobi gebissen hat war...nun ja…mehr.“ Ich machte eine ausladende Bewegung mit den Händen um meine Aussage zu untermalen.
„Wie mehr?“ Harry schien angesichts meiner Reaktion seine ohnehin kaum vorhandene Wortgewandtheit eingebüßt zu haben.
„Er war großer, dicker, Furcht einflößender. Auf jeden Fall hatte er doppelt so viel Masse wie das Teil da.“
Harry kratzte sich ratlos am Hinterkopf, „Sicher, dass es ein Hund war?“

Auftritt: Familienmordendes-Einsiedler-Subjekt; Name unbekannt

„Das ist er.“ Erschrocken drehte ich mich um. Letztes Mal war mir der Mann irgendwie kleiner vorgekommen, doch da er jetzt so nahe vor mir stand konnte sehen, dass er fast zwei Meter groß war. Er war ein regelrechter Muskelberg, sah aber schon älter aus. Er musste auf die Fünfzig zugehen. Im Vergleich zu ihm wirkte Harry mit seinem Haarausfall und Bierbauch wirklich hässlich, aber schließlich sah nicht jeder wie ein in die Jahre gekommenes Unterwäsche Model aus.
Erst jetzt fiel mir auf das sowohl ich und auch Harry ihn mit offenen Mund anstarrten.


„Nein, das ist er nicht.“, sagte ich bestimmt. Okay, ich war mir nicht hundertprozentig sicher, aber das Monstervieh hatte ich anders in Erinnerung.
„Doch.“, seine Stimme klang wie ein Donnergrollen und nun hörte Harry auch auf ihn wie ein Vollidiot anzustarren.
„Ähm sind sie sich sicher?“, fragte er noch einmal nach und bekam dafür einen richtigen Schockfrostblick von dem namenlosen Herren dafür.
„Natürlich bin ich mir sicher.“
„Das bin ich auch.“, fauchte ich. Derselbe einschüchternde Blick haftete nun auf mir.
„Jetzt haben wir aber ein Problem.“, meinte Harry und lachte um die Situation etwas zu entspannen. Stattdessen wurde es nur noch schlimmer. Die Atmosphäre könnte man am besten mit dem Wort arktisch bezeichnen. Ich sah Harry genervt an und widmete mich dann wieder dem „Charmebolzen“ vor mir.


„Jetzt hören Sie mir mal zu.“, ich tippte mit dem Zeigefinger auf seine Brust. „Das da…ist nicht das Vieh das meinen Bruder attackiert hat.“
„Du weißt nicht was du gesehen hast…du standest unter Schock.“, seine Stimme war so scharf wie ein Samuraimesser das sich netterweise genau zwischen meine Rippen bohrte. Was für ein unangenehmer Kerl.
„Ich kann mich noch bestens erinnern.“
„Nein kannst du nicht.“
„Kann ich wohl.“
Okay langsam kam ich mir vor als würde ich mich mit einem Kindergarten Kind streiten. Ich drehte mich zu Harry um und sagte dann, „Mir ist egal was er sagt. Ich will das du das Vieh erledigst das Tobi angefallen hat.“
Harry sah mich an.


„Das wird nicht nötig sein. Das da hinten ist der Hund.“
Harrys Blick lag nun auf dem Mann.
„Harry. Wem vertraust du mehr. Mir oder dem Kerl der seine Familie in Stücke gehackt und dann einbetoniert hat?“
Dann ging mir auf was ich gerade gesagt hatte.
 

Scheiße, scheiße, scheiße, scheiße, scheiße,…


Der Mann vor mir erstarrte zur Salzsäule. Ich konnte sehen wie er seine Hände zu Fäusten ballte. Die Knöchel waren weiß, vor Anspannung. Ich konnte es in seinen Augen sehen, er würde mir eine runterhauen wenn Harry nicht direkt neben mir stehen würde.


Mist, Mist, Mist, Mist, Mist.


So was konnte auch nur mir rausrutschten. Harry sah mich vorwurfsvoll an während ich auf meiner Lippe herumkaute und „Entschuldigung.“ murmelte.

Der Kerl überzeugte Harry das es nicht der Hund war und die Suche einzustellen sein. Ich sagte kein Wort mehr in der Hoffnung, dass er mich einfach vergessen würde.
Harry hielt mir später eine Rede über gutes Benehmen. Nun hielten mich der Direktor, Harry und Mr. Unbekannt für eine Psychopathin. So um den Daumen gepeilt würde ich es wohl schaffen auch den Rest von Woods Bay davon zu überzeugen, spätestens bis nächster Woche.
Zu Hause erwartete mich dann die Leiche unserer Nachbarskatze und ein Tobi der steif und fest behauptete, die Katze hätte in unserem Garten Selbstmord begangen.

„Ich wollte sie noch aufhalten. Du hast doch Familie, hab ich geschrieen.“

Vielleicht war ich noch keine Psychopathin, aber wenn es so weiter ging würde mein eigener Bruder mich so weit bringen mich einliefern zu lassen.
Wir ließen die Leiche in Mafia Manier verschwinden und versenkten sie im See. Keine Aktion auf die ich sonderlich stolz bin, aber wenn der Direktor anruft und meine Mutter informiert, will ich nicht auch noch mit der toten Nachbarskatze vor ihre Nase herumwedeln.

Ich werde Angi anrufen und ihr von der Sache bei Harry erzählen. Vielleicht hat sie ja eine Idee warum der Kerl unbedingt wollte, dass man die Suche nach dem Streuner einstellt.
Es kann sein das ich mich früher beklagt habe, dass mein Leben fad ist, aber diese Aufregung ist eindeutig zu viel. Im Moment kommt es mir so vor als würde ich Tierleichen magisch anziehen. Ein wandelnder Friedhof der Kuscheltiere.     
Ob wir noch Beruhigungstabletten zu Hause haben?

...


...

PS: Ich hab wirklich, wirklich Angst um/vor meinem Bruder. Was soll ich jetzt machen?   

2.5.07 17:15
 


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