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the day you slipped away

Samstag, 05. Mai

Es war schon Mittag als ich endlich aufgewacht bin. Zum ersten Mal seit Anfang dieser Woche fühle ich mich entspannt und vor allem ausgeruht.

Wieso? Nun das liegt daran, das die einzige Lösung, die mir eingefallen ist, für das was in den letzten Tagen passierte…unmöglich ist. Es ist folglich nur ein Schluss daraus zu ziehen: meine Theorie stimmt nicht!

Solche Dinge wie „es“ (ich spreche oder schreibe den Bergriff nie weil er mir irgendwie Angst macht…besonders jetzt) gibt es nun einmal nicht, also sollte ich aufhören mir Sorgen darum zu machen. Wenn ich mich dieses Wochenende entspanne, kann ich die Dinge sicher klarer sehen. Außerdem stand ich ja schließlich am Montag schwer unter Schock. Was passiert ist liegt sicherlich nur an den Auswirkungen davon.

…Okay ich geb´s zu ganz bin ich davon nicht überzeugt, aber was soll ich tun? Mich zu beruhigen und versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen scheint mir die einzige Möglichkeit. Als ich nach unten ging war Mama schon weg. Sie besucht heute eine ihrer Freundinnen, die ebenso wie sie an so Esoterik-Zeug glaubt. Sie hat gemeint sie müsste mit einem Profi über die Wunderheilung von Tobi reden. Ich hab ihr gesagt sie soll das lieber nicht an die große Glocke hängen, aber was zählt meine Meinung schon? Ich bin ja schließlich geistesgestört.

 Tobi saß am Wohnzimmerfenster und am Anfang hatte ich ihn gar nicht gesehen. Er starrte nach draußen und saß so ruhig da, das er auf mich wie eine Statue wirkte. Irgendwie sah es so aus als würde er nicht einmal atmen.

 

Ich machte mir mein typisches Weekend-Sandwich (Butter, Putenschinken, Salat und Tomaten ohne Ränder) Dann suchte ich nach dem Himbeersaft-Sirup fand aber keinen. Es war ein ganz normaler Tag, auch wenn sich meine Gedanken um das Warum und Wieso der letzten Woche drehten.

Als ich aus der Küche kam, kauerte Tobi zitternd am Boden.

Nein, Nein, NEIN…tu mir das bitte nicht an.

Entsetzt riss ich meine Augen weit auf, das Sandwich fiel mir aus der Hand und ich rannte zu ihm. Hektisch streichelte ich ihm über den Rücken. „Was ist? Was hast du?“, fragte ich panisch. Ich bekam keine Antwort, stattdessen begann er am ganzen Körper unkontrollierbar und noch viel schlimmer zu zittern. Er gab einen eigenartigen schmerzerfüllten Laut von sich. Seine Hände klammerten sich um seine Oberarme und ich konnte sie nicht lösen.

Es war fast so als würde ich wirklich versuchen Stein zu verbiegen.

Er stieß einen lauten, verzweifelten Schrei aus.

„Bitte…bitte…was ist denn? …Rede mit mir.“

Ich versuchte ruhig zu atmen, nachzudenken was ich jetzt tun sollte, doch es war als wäre in meinem Kopf nur Dunkelheit. Jeder klare Gedanke den ich versuchte zu fassen, glitt mir durch die Hände und während ich nicht einmal denken konnte litt mein Bruder Höllenqualen. Das machte mich wahnsinnig…wahnsinnig vor Angst.

Bitte…bitte…irgendjemand…Hilfe…

Zuerst wusste ich gar nicht was mit mir geschah. Etwas Hartes traf mich genau in den Magen und ich wurde über das halbe Wohnzimmer hinweg geschleudert. Ich landete auf der Couch die mit mir einen Meter weiter schlitterte bis sich schließlich nach hintern umkippte. Mein Blick war verschleiert. Außer verschwommener Dunkelheit konnte ich gar nichts sehen. In meinen Kopf drehte sich alles…ich spürte wie mein Mund sich ganz von alleine aufriss und ich mich übergab.

Meine Sicht kehrte langsam wieder zurück, aber ich fühlte mich schrecklich. Mit zitternden Knien stand ich auf, denn die Couch versperrte mir die Sicht auf meinen Bruder.

Mit einer Hand stütze ich mich auf das umgestürzte Möbelstück. Mein Blick blieb an der Gestalt hängen, die dort stand wo Tobi noch vor kurzem auf dem Boden gekauert hatte.

Da stand statt Tobi nun ein gigantischer Hund/Wolf/was auch immer in meinem Wohnzimmer. Er hatte rostbraunes Fell und starrte mich mit blauen Augen an, um genauer zu sein mit Tobis blauen Augen.

Ich stand wieder einmal einfach nur da, zu überrascht um etwas zu tun. Unsere Blicke trafen sich. War das Ding da wirklich Tobi? Wenn auch nur die kleinste Chance bestand das da drinnen irgendwo noch mein Tobi zu finden war, dann musste ich etwas unternehmen. JETZT!

Mein Fuß bewegte sich wie von alleine einen Schritt vorwärts, was nicht so leicht war, da ich am ganzen Körper schlotterte.

Meine Zähne schlugen fest und schnell aufeinander. Das Klappern schien das Tier, nein Tobi, nicht zu erschrecken.

Oh Gott… ich hab nie an dich geglaubt, aber bitte…bitte gib mir meinen Tobi wieder.

Ich streckte meine zitternde Hand nach ihm aus. „T…Tobi?“, meine Stimme war krächzend, so als hätte ich stundenlang geweint. Als meine Hand nur noch ein paar Zentimeter von ihm entfernt war, veränderte sich etwas. Statt Tobis blauen Augen sahen mich nun ein goldgelbes Paar an. Er begann zu knurren und fletschte die Zähne. Ich zuckte zusammen. Er lief davon, so schnell das ich nicht einmal sagen konnte in welche Richtung er in den Wald gelaufen war.

Ich musste nachdenken…mich beruhigen. Hatte es in den letzten Tagen irgendeinen Anhaltspunkt gegeben, der mir jetzt weiter helfen könnte?

Mr. Hayes Stimme begann wie von Zauberhand in meinem Kopf zu sprechen. >>Du hast doch keine Ahnung was hier vor sich geht.<< Das hatte er gesagt…er hatte es gewusst…der Hund war ein…“es“ gewesen.

Ich zog mir schnell ein Paar Gummistiefel an die neben der Türe standen und rannte dann im Pyjama los.

Ich musste Hilfe holen und zwar schnell. Doch zu wem sollte ich gehen außer zu diesem verdammten Einsiedler? Die würden mich doch alle für verrückt erklären. Es würde zu lange dauern alles zu erklären, bis sie mir glauben…wenn sie mir überhaupt glauben würden.

Ich rannte durch den Wald bis ich schließlich die Waldstraße erreichte. Es würde Stunden vielleicht sogar den ganzen Tag dauern bis ich dort war…ich musste mich beeilen.

Ich lief so schnell ich konnte. Mein ganzer Körper zitterte immer noch und ich hatte angefangen zu weinen, was nicht gerade hilfreich war. Doch leider konnte ich weder das Weinen noch das Zittern abstellen. Ich konnte nicht klar genug sehen, weil die Tränen alles um mich herum verschwimmen ließen. Als wäre das nicht noch schlimm genug fing es an zu regnen. Die kalten Tropfen prasselten erbarmungslos auf mich herunter und durchnässten mich von Kopf bis Fuß.

In meinem Kopf spielten sich die Bilder von Tobis Anfall im Wohnzimmer immer wieder ab. Ich erinnerte mich an viele Dinge. An seine Geburtstage; an unsere Besuche bei Großvater und an seine Geburt. Unser Vater hatte uns verlassen, als Mama das zweite Mal schwanger wurde. Als ich Tobi das erste mal in meinen Händen hielt und ihn vorsichtig an mich drücke versprach ich ihm, und nur so das er es hören konnte, „Ich werde dich immer…immer beschützen, hörst du? Ich werde dich niemals alleine lassen…so wie Papa. Du brauchst also keine Angst haben.“

Es war lächerlich, das ich immer noch daran festhielt. Ja ich hatte schon vor den Ereignissen an meiner geistigen Zurechnungsfähigkeit gezweifelt.

Doch diese Worte, das Versprechen an ihn, war so tief in mir verwurzelt. Ich würde ihn nicht im Stich lassen…egal was oder wer er war. Tobi bliebt Tobi…mein Tobi…mit oder ohne Fell.

Mir kam es wie eine Ewigkeit vor das ich keuchend um im Laufschritt mich viel zu langsam seinem Haus näherte. Ab und zu stütze ich weil ich entweder einen Stein übersah oder mein Gummistiefel im Matsch stecken blieb.

Nach zwei Stunden sah ich auf einmal ein Licht am Ende der Straße. Zuerst dachte ich es sei das Haus, doch als ich genauer hinsah merkte ich dass es zwei Scheinwerfer waren, die rasend schnell auf mich zukamen. Ich stand einfach nur da und sah mit an wie der Fahrer gerade noch rechtzeitig merkte was los war und einen Meter vor mir schlitternd zum Stillstand kam.

Ein wütender Muskelberg stieg aus und kam auf mich zugestampft.

„Hast du den Verstand verloren?“, schrie er und es kam mir so vor als würde der Wald unter seiner Wut zu vibrieren beginnen. Doch er machte mir keine Angst. Die Angst um Tobi ließ alles wovor ich mich, oder jeder andere normale Mensch, fürchtete wie eine Nichtigkeit erscheinen. Ich rannte auf Mr. Hayes zu und begann mit meinen Fäusten gegen seinen Bauch zu hämmern, um seine Brust zu erreichen war ich schlichtweg zu klein.

Es war mir egal das der Rotz mir aus der Nase rannt, das meine Augen rot vor Tränen waren, das meine Schläge nicht einmal fest waren, das er mich wahrscheinlich unter dem Schluchzen nicht einmal verstand. Alles war in dem Moment egal als ich der Frustration, der Angst und der Ratlosigkeit, die sich während der letzten Tage in mir angestaut hatten, Luft machte.

„Wieso? Sie haben es gewusst…die ganze Zeit. Wieso haben Sie das zugelassen? So was hat er nicht verdient. Er ist so lieb…ich hab ihn so lieb. Wie konnten Sie das nur passieren lassen. Es ist alles ihre Schuld. Er ist weg…keine Ahnung wohin…er ist einfach weg. Was mach ich denn nur wenn er verletzt ist? Vielleicht kommt er nie wieder zurück…er ist…ich bin…ganz allein. Er ist jetzt da draußen und hat sicher Angst…er weiß nicht wohin…vielleicht wird er von einem Jäger erschossen. Alles…alles ihre Schuld. Hören Sie, Sie sind Schuld! Er ist weg und ich kann ihn nicht zurück bringen, obwohl ich es ihm versprochen habe. Wieso haben Sie zugelassen, dass ich mein Versprechen breche.“

Meine Schläge wurden immer schwächer bis sich mein Finger im Stoff seines Hemdes verkrallten. Keine Wut war mehr zu hören als er mit mir sprach. Seine Stimme war ganz weich und beruhigend.

„Was ist passiert?“

Es war einer dieser Moment im Leben, ein Wendepunkt. Ich stand vor einer Linie die ich im begriff war zu überschreiten. Sobald ich meinen Fuß darüber setzten würde, gäbe es kein Zurück mehr für mich. Ich würde mit den Konsequenzen leben müssen, Tag für Tag. Mein Leben würde nicht mehr dasselbe sein.

Wenn man diese Linie überschreitet, ist es so als würde sich die ganze Welt ein Stück zur Seite drehen. Man sieht Dinge nicht mehr die einem vorher klar und deutlich ersichtlich waren. Dafür kann man eine ganz neue Welt entdecken, eine Welt die die gleich ist, aber doch so ganz anders.

Überschreitet man diese Linie gibt es kein Zurück, doch ich hatte meine Entscheidung schon vor langer Zeit getroffen. Es war eine Entscheidung die nicht nur mich betraf sondern auch die Person dich ich über alles liebte und unter allen Umständen beschützen musste. Ich wusste dass ich nichts tun konnte, nichts weiter als diese Linie zu überschreiten. Wenn Tobi das helfen würde, waren mir die Konsequenzen egal. In diesem Moment erschienen sie mir wie eine Lappalie.

„Werwolf.“

, das war das einzige Wort das ich sagte. Die ganze Zeit hatte ich es nicht wahrhaben wollen. In dem ich das Wort nun endlich aussprach, fiel mir eine gewaltige Last von den Schultern. Ich konnte die Dinge nun mal nicht ändern, in dem ich sie ignoriert und nicht aussprach.

Mr. Hayes veränderte sich auch. Zuerst erstarrte er komplett.

„Was hast du gesagt?“

Ich ließ von ihm ab und trat einen Schritt zurück.

„Bitte Sie müssen mir helfen. Ich hab nicht gewusst zu wem ich sonst gehen soll. Tobi ist…er ist…er hat sich verwandelt…in unserem Wohnzimmer. Jetzt ist er weg. Keine Ahnung wohin. Bitte helfen Sie Tobi.“

In ihm schien ein innerer Kampf zu toben. Nach ein paar Sekunden schien er sich entschieden zu haben.

„Los steig ein.“, er zeigte mit seinem Daumen auf seinen Wagen. Er wendete und wir fuhren zurück zu seinem Haus. Dauernd fuhr er sich hektisch mit der Zunge über die Lippen. „So hör mir jetzt genau zu. Es gibt Regeln. Eine Regel besagt, das Menschen die von Werwölfen wissen, umgebracht werden.“ Ich zuckte zusammen.

„Keine Angst. Außer mir weiß es keiner. Solange du bei mir bleibst bist du auch sicher. Meine Familie wurde wegen dieser Regel hingerichtet. Damals hab ich nichts unternommen. Denselben Fehler mache ich nicht noch einmal. Bevor wir Tobi helfen können ist es wichtig, dass wir alle Spuren verwischen. Je mehr Menschen davon wissen desto schlechter.“

„Ich bin die Einzige.“, meine Stimme war ein brüchiges Desaster, „Aber unser Wohnzimmer sieht schlimm aus. Er hat mich durch die Luft geschleudert.“

Er nickte und hörte mir weiter zu.

„Meine Mutter besucht im Moment eine Freundin. Sie kommt erst morgen wieder. Sie wollte Tobis Wunderheilung unbedingt mit jemanden besprechen der sich dafür interessiert. Doch Melissa…ich meine ihre Freundin…wohnt weit weg, weshalb sie dort übernachten wird.“

„Also haben wir bis morgen Zeit das Chaos zu beseitigen.“ Als wir beim Haus ankamen, schleifte er mich schnell und äußerst unsanft ins Wohnzimmer. In das fantastisch eingerichtete, große und teure Wohnzimmer.

„Ich werde mich um alles kümmern. Um das Wohnzimmer, um Tobi, aber du darfst dich nicht von der Stelle rühren. Wenn jemand anruft oder an der Türe klingelt darfst du nicht ran gehen. Und geh auf keinen Fall nach draußen. Ich weiß das du dir sorgen um deinen Bruder machst, aber im Moment ist er eine Bestie die nur ihren Instinkten folgt.“

„Woher wissen Sie das alles.“

„Wenn man sich das erste Mal verwandelt ist das immer so.“

„Sie sind auch…?“

Er nickte und ging dann mit den Worten, „Fühl dich wie zu Hause.“

Inzwischen ist es fast Mitternacht…ich habe keine Nachricht erhalten. Ich weiß nicht was mit Tobi oder Mr. Hayes los ist. Ich habe Angst, dass Mama früher nach Hause kommt, das Tobi etwas zustößt.

Ich habe einfach nur Angst. Dieser Samstag ist der schlimmste Tag meines Lebens.

Ganz ehrlich…schlimmer kann es nun wirklich nicht mehr werden.

Aber ich hätte es wissen müssen.

Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

PS: Tobi ich vermisse dich…so sehr.   T.T
5.5.07 21:21
 


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